11. April ist Welt-Parkinson-Tag: Parkinson betrifft Männer und Frauen unterschiedlich – personalisierte und partizipative Therapien verbessern die Lebensqualität

Die Österreichische Parkinson-Gesellschaft (ÖPG) lädt als Veranstalterin anlässlich des Welt-Parkinson-Tages am 10. April 2026 zu einer großen Informationsveranstaltung nach Linz ein.


Parkinson zählt zu den am schnellsten zunehmenden neurologischen Erkrankungen weltweit und gehört somit auch zu den zentralen Anliegen der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN). Der Welt-Parkinson-Tag am 11. April, dem Geburtstag von James Parkinson, dem Erstbeschreiber der Erkrankung, ist ein zentraler Anlass, um das öffentliche Bewusstsein für die Parkinson-Krankheit und verwandte Erkrankungen zu schärfen. Angesichts der rasch steigenden Erkrankungszahlen setzt sich die Österreichische Parkinson-Gesellschaft (ÖPG) zudem für verstärkte präventive Maßnahmen ein – insbesondere für die Reduktion schädlicher Umwelt- und Lebensstilfaktoren sowie für eine gesündere Ernährung und mehr körperliche Aktivität.


Wien, 18.3.2026Parkinson ist eine chronische Erkrankung, die häufig in ihrer Bedeutung für Betroffene und für die Gesellschaft unterschätzt wird und viele Facetten aufweist. Derzeit leben hierzulande schätzungsweise 25.000 bis 30.000 Menschen mit Parkinson. „Für das Gesundheitssystem bedeutet die steigende Zahl der Parkinson-Erkrankungen eine enorme Herausforderung“, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg Weber, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und Abteilungsvorstand der Neurologie am Klinikum Klagenfurt.

Die Parkinson-Krankheit wird durch den fortschreitenden Verlust Dopamin produzierender Nervenzellen in einer Region des Gehirns, der Substantia nigra, ausgelöst, wobei genetische Faktoren und Umweltfaktoren gemeinsam zur Krankheitsentstehung beitragen können. Dabei zeigen sich deutliche Geschlechtsunterschiede: Männer sind mindestens eineinhalbmal häufiger betroffen. Frauen zeigen teilweise ein anderes Symptomprofil. Auch die Sterberate ist bei Männern höher. Diese Befunde unterstreichen die Notwendigkeit personalisierter Therapiekonzepte in allen Krankheitsphasen, wobei Patient:innen aktiv in Therapieentscheidungen eingebunden werden sollten. Neue Empfehlungen sprechen zudem dafür, gerätegestützte Therapien wie Pumpensysteme früher als bisher im Krankheitsverlauf einzusetzen.

Zur Verbesserung der medizinischen und sozialen Datenlage führt die Österreichische Parkinson-Gesellschaft (ÖPG) seit Oktober 2025 das anonymisierte Parkinson-Register ÖPAR, das eine zentrale Grundlage für die Weiterentwicklung von Forschung, Versorgung und Therapie in Österreich schafft. „Mit einer solchen soliden Datenbasis können wir Parkinson in Österreich langfristig besser verstehen und die Versorgung nachhaltig verbessern“, so Priv.-Doz.in Dr.in Regina Katzenschlager, Präsidentin der Österreichischen Parkinson-Gesellschaft und Leiterin der Abteilung für Neurologie an der Klinik Donaustadt. Patient:innen sind eingeladen, sich freiwillig an diesem Register zu beteiligen und „damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Parkinson-Versorgung in Österreich zu leisten“, so Univ.-Prof. Dr. Klaus Seppi, Universitätsklinik für Neurologie, medizinischen Universität Innsbruck.

Die große Informationsveranstaltung für Betroffene, Angehörige und Interessierte, die jährlich in einer anderen Region stattfindet, wird dieses Mal in Linz ausgerichtet. Sie wird gemeinsam mit der regionalen Selbsthilfegruppe organisiert und bietet neben Fachvorträgen auch gezielt Raum für Gespräche sowie den persönlichen Austausch zwischen Betroffenen und Referent:innen.

„Für Betroffene ist Parkinson nicht nur eine medizinische, sondern auch eine soziale und emotionale Herausforderung. Die Lebensqualität wird zum zentralen Thema. Neben dem Wissen über Therapien sind Austausch und gegenseitige Unterstützung enorm wichtig. Veranstaltungen wie diese zeigen, dass man mit Parkinson nicht allein ist – und dass es viele Möglichkeiten gibt, den Alltag zu gestalten“, betonen Priv.-Doz.in Dr.in Regina Katzenschlager, der Organisator Univ.-Prof. Dr. Gerhard Ransmayr (ÖPG) sowie die Neurologin Dr.in Michaela Steffelbauer, Präsidentin der Parkinson-Selbsthilfe Oberösterreich.

Parkinson verstehen: Symptome, Diagnose und frühe Warnzeichen

Die Parkinson-Krankheit wird durch den fortschreitenden Verlust Dopamin produzierender Nervenzellen im Gehirn, aber auch anderer Nervenzellsysteme des Gehirns und des peripheren Nervensystems verursacht, dessen genaue Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind und bei dem genetische und umweltbedingte Faktoren eine Rolle spielen. Wesentlich ist eine sorgfältige Diagnosestellung. Neben den typischen motorischen Symptomen, wie Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifigkeit, Zittern oder Gangstörungen, werden auch frühe, nicht-motorische Symptome berücksichtigt, die bereits Jahre vor der Parkinsondiagnose vorhanden sein können. Dazu zählen Schlafstörungen, Stuhlverstopfung und im Speziellen die sogenannte Traumschlaf-(REM-Schlaf-)Verhaltensstörung, bei der Betroffene in den Traumphasen sprechen, rufen oder um sich schlagen. Im Verlauf ist die Erfassung psychischer Symptome, wie Angst, Depression und in späteren Phasen Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, wichtig.

Parkinson betrifft Männer und Frauen unterschiedlich: Umweltfaktoren, Hormone und personalisierte Therapie rücken in den Fokus

Dass Männer häufiger an Parkinson erkranken als Frauen, gilt heute als gut belegt. Die Ursachen für diesen Unterschied sind nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden Effekte weiblicher Sexualhormone und genetische Faktoren. Manchen umwelt- und arbeitsbedingten Belastungen, die eine Assoziation mit dem Parkinsonrisiko haben, sind Männer häufiger ausgesetzt: Dazu zählen Feinstaub, Schwermetalle, halogenierte Kohlenwasserstoffe wie Trichlor- oder Perchlorethylen und Pestizide (u. a. Dieldrin, Rotenon, Paraquat). Größtenteils sind diese Substanzen heute in der EU nicht mehr zugelassen oder streng kontrolliert. Ein weiterer geschlechtsbezogener Unterschied könnte in ungünstigeren Ernährungsweisen und selteneren Vorsorgeuntersuchungen bei Männern liegen.

Auch Krankheitsbeginn und Verlauf unterscheiden sich je nach Geschlecht. Frauen entwickeln mehr nicht-motorische Symptome und früher Wirkungsschwankungen und Überbewegungen (Dyskinesien). Unterschiede gibt es auch bei psychiatrischen Begleitsymptomen: Angst, Depressionen und psychotische Symptome sind häufiger bei Frauen, während bei Männern vermehrt Apathie, Demenz, REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, Tagesschläfrigkeit und Impulskontrollstörungen auftreten.

Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung einer personalisierten Parkinson-Therapie. Die Behandlung orientiert sich heute an Alter, Krankheitsstadium, Geschlecht, Körpergewicht und vegetativen, psychiatrischen und kognitiven Symptomen.

„Parkinson ist keine uniforme Erkrankung – weder im klinischen Verlauf noch in den Bedürfnissen der Betroffenen“, betont Univ.-Prof. Dr. Raimund Helbok, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz. „Geschlechtsspezifische Unterschiede, moderne Therapieverfahren und die aktive Einbindung der Betroffenen in Form von partizipativen Therapien müssen konsequent berücksichtigt werden. Gemeinsame Therapieentscheidungen sind ein wesentlicher Schlüssel für eine bessere Lebensqualität.“

Neue Therapieoptionen – individualisierte medikamentöse Therapie ab Diagnosestellung

Ab Diagnosestellung ist die medikamentöse Therapie ein zentraler Baustein der Behandlung. Parkinson-Medikamente ermöglichen meist eine deutliche Linderung der Symptome. Insbesondere in frühen Krankheitsphasen ist die Wirkung häufig sehr gut und konstant und erlaubt eine Anpassung an individuelle Bedürfnisse, Begleiterkrankungen und die Lebenssituation der Betroffenen. Im Krankheitsverlauf treten dennoch häufig Wirkungsschwankungen („Off-Phasen“) und unfreiwillige Überbewegungen auf. Es steht ein breites Spektrum an Medikamenten zur Verfügung, die individuell kombiniert werden können. Grundlage ist meist orales L-Dopa. Ergänzend können – je nach Symptomkonstellation – weitere Wirkstoffe oral, über die Haut als Pflaster, über die Mundschleimhaut oder als Inhalation verabreicht werden. Inhalatives L-Dopa, das seit Kurzem verfügbar ist, ermöglicht eine Wirkstoffaufnahme über die Lunge und kann bei plötzlichen Off-Phasen eingesetzt werden. Dies gilt auch für andere Bedarfstherapien bei Off-Phasen, die den Umweg über den Magen-Darm-Trakt vermeiden, wie unter die Haut injiziertes Apomorphin mit besonders raschem Wirkeintritt oder über die Mundschleimhaut verabreichtes Apomorphin. Durch individuell angepasste Kombinationen können Wirkungsschwankungen häufig lange Zeit gut kontrolliert und die Lebensqualität deutlich verbessert werden.

Gerätegestützte Therapien bei fortgeschrittener Erkrankung

Bestehen trotz optimaler medikamentöser Therapie ausgeprägte Wirkungsschwankungen oder Dyskinesien, sollten gerätegestützte Verfahren frühzeitig erwogen werden“, erklärt Prof. Dr. Helbok. „Ziel ist es, Wirkungsschwankungen zu verringern.“

Gerätegestützte Therapien können die Lebensqualität deutlich verbessern, sind jedoch nicht für alle Patient:innen geeignet. Foslevodopa oder Apomorphin können über eine tragbare Pumpe ohne Operation gleichmäßig unter die Haut abgegeben werden. Bei manchen Betroffenen ist eine kontinuierliche Levodopa-Gabe über eine Sonde direkt in den Dünndarm die passendere Wahl.

Spezialisierte Zentren als Anlaufstellen

In Österreich stehen zudem Zentren zur Verfügung, die auch Verfahren wie die Tiefe Hirnstimulation (THS) oder in ausgewählten Fällen eine MR-gesteuerte (Magnetresonanz) fokussierte Ultraschalltherapie anbieten. Welche gerätegestützte Therapie infrage kommt, hängt von Faktoren wie biologischem Alter und kognitiven und psychosozialen Aspekten ab. Die Entscheidung erfolgt gemeinsam mit Patient:innen und Angehörigen, die besonders in fortgeschrittenen Krankheitsphasen stark eingebunden und oft belastet sind.

Mehr als Medikamente: Bewegung, Therapie und mentale Gesundheit

Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Regelmäßige, möglichst tägliche und intensive Bewegung ist nachweislich wirksam. Je nach Krankheitsstadium ergänzen Physio-, Ergo- und Logopädie, psychologische Unterstützung und die Angebote der Selbsthilfegruppen die Therapie sinnvoll.

Veranstaltungsdetails:

Festsaal Neues Rathaus
Hauptstraße 1–5, 4041 Linz
10. April 2026, 11.00 bis 15.00 Uhr

Vorträge ab 11.15 Uhr
Diskussion und Austausch ab 13.45 Uhr

Zielgruppe:  Betroffene, Angehörige und Interessierte
Eintritt:  frei; kostenfreie warme Mahlzeit und Getränke
Anmeldung:  erwünscht, nicht verpflichtend

Tel.: +43 890 34 74
E-Mail: parkinsontag@parkinson.at
Infos: www.parkinson.at

Über das Parkinson-Register ÖPAR – Patient:innen zur Teilnahme eingeladen

Die Österreichische Parkinson-Gesellschaft führt, nationalen und internationalen Beispielen folgend, seit Oktober 2025 ein Register, in das sich Patientinnen und Patienten freiwillig eintragen lassen können. Register sind von großer sozialer, gesundheitspolitischer und wissenschaftlicher Bedeutung. Es gibt bereits mehrere hundert Registrierungen. Die Eingaben erfolgen streng anonymisiert. Derzeit wird das Register, genannt ÖPAR, in sechs österreichischen Kliniken/Krankenhäusern geführt. Es soll in weitere Kliniken und Spitäler ausgerollt werden. Erfasst werden sowohl demografische Parameter als auch Krankheitsdaten, Therapien, der Verlauf und eine Reihe sozialer Aspekte. Patient:innen sind eingeladen, sich freiwillig an diesem Register zu beteiligen und damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Parkinson-Versorgung in Österreich zu leisten.

Über den Welt-Parkinson-Tag

Der Welt-Parkinson-Tag findet jährlich am 11. April statt. Der Tag wurde zu Ehren von Dr. James Parkinson, dem Entdecker der Krankheit, gewählt – sein Geburtstag fällt auf den 11. April 1755. 1817 hat er erstmals die Symptome der später nach ihm benannten Erkrankung beschrieben. Seit 1997 wird dieser Tag weltweit genutzt, um das Bewusstsein für die Erkrankung zu stärken, Betroffene und Angehörige zu unterstützen sowie Fragen zum Thema Parkinson zu beantworten.


Über die ÖPG

Die Österreichische Parkinson-Gesellschaft ist eine medizinische Fachgesellschaft mit dem Ziel, die Diagnostik und Behandlung von Menschen mit Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) und anderen Bewegungsstörungen zu verbessern. Besondere Anliegen sind die Förderung von Forschung im Bereich Bewegungsstörungen, die kontinuierliche Fortbildung von medizinischem Fachpersonal sowie die Information von Betroffenen und der Öffentlichkeit über den Morbus Parkinson und verwandte Erkrankungen.

Presse-Rückfragen & Interviewvereinbarung

com.media – Agentur für Kommunikation
Mag. Dr. Karin Assadian
Tel.: +43 676 33 63 568
E-Mail: karin.assadian@commedia.co.at
Web: www.commedia.co.at

Primaria Priv.-Doz.in Dr.in Regina Katzenschlager
Präsidentin ÖPG, Leiterin der Abteilung für Neurologie
Klinik Donaustadt, Abteilung für Neurologie
Langobardenstraße 122
A-1220 Wien
Tel.: +43 (0)128802 4200
E-Mail: regina.katzenschlager@chello.at

Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg Weber
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN)
Abteilungsvorstand der Neurologie, Klinikum Klagenfurt
Stv. Medizinischer Direktor
Tel.: +43 463 538-31703
E-Mail: joerg.weber@kabeg.at
E-Mail: neurologie.klagenfurt@kabeg.at

Über die ÖPG

Die Österreichische Parkinson-Gesellschaft ist eine medizinische Fachgesellschaft mit dem Ziel, die Diagnostik und Behandlung von Menschen mit Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) und anderen Bewegungsstörungen zu verbessern. Besondere Anliegen sind die Förderung von Forschung im Bereich Bewegungsstörungen, die kontinuierliche Fortbildung von medizinischem Fachpersonal sowie die Information von Betroffenen und der Öffentlichkeit über den Morbus Parkinson und verwandte Erkrankungen.


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Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg Weber
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN)
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22. bis 24.10.2025 in Graz

ÖPG Jahrestagung 2025