P-Aktuell 01.2016

Multidisziplinäres Management der intrajejunalen L-Dopa-Pumpentherapie

Einleitung

Ein wesentliches Ziel in der Betreuung von PatientInnen mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson ist die Kontrolle motorischer und nicht-motorischer Off-Symptome, die den Alltag erschweren. Bei vielen dieser PatientInnen gelingt es auch durch eine adäquate orale Parkinson-Therapie nicht, Fluktuationen auf ein tolerierbares Maß zu reduzieren. PatientInnen können mit der Komplexität des erforderlichen oralen Regimes überfordert sein oder sich außerstande sehen, ihre Lebensweise an ein entsprechendes Therapieregime anzupassen. Es kann ihnen schwerfallen, die Einnahmezeitpunkte einzuhalten und die für eine orale Therapie erforderlichen Vorgaben bezüglich der Ernährung umzusetzen. Vielen von ihnen kann mit einer invasiven Parkinson-Therapie zu mehr Lebensqualität verholfen werden.

Neben tiefer Hirnstimulation (THS) und subkutaner Apomorphin-Pumpentherapie ist die Pumpentherapie mit intrajejunalem Levodopa (Levodopa-Carbidopa Intestinal Gel – LCIG) eine etablierte Option für PatientInnen mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson (siehe Tabelle 1).

Die LCIG-Infusionstherapie hat sich bei Beachtung der therapiespezifischen Nebenwirkungen (z.B. lokale Komplikationen des Sondensystems) als wirksame Behandlungsmöglichkeit erwiesen. Olanow et al. haben gezeigt, dass die kontinuierliche Infusion von intrajejunalem L-Dopa

  • die Off-Zeit signifikant verkürzt,
  • die On-Zeit ohne beeinträchtigende Dyskinesien verlängert,
  • die On-Zeit ohne Dyskinesien verlängert,
  • die Lebensqualität und
  • die Aktivitäten des täglichen Lebens (UPDRS-Score II) im Vergleich zu oralem L-Dopa verbessert.

Mögliche Vorteile einer intrajejunalen L-Dopa-Therapie gegenüber einer Apomorphin-Pumpentherapie oder einer tiefen Hirnstimulation können sein:

  • geringere Invasivität im Vergleich zur THS
  • geringeres Risiko für neuropsychiatrische Komplikationen (Impulskontrollstörungen, Halluzinose) im Vergleich zur subkutanen Apomorphin-Pumpentherapie. Neuropsychiatrische Störungen und kognitive Einschränkungen/Demenz sind keine absoluten Kontraindikationen für eine LCIG-Therapie.
  • Anders als bei THS ist hohes Alter (> 75 Jahre) keine Kontraindikation.
  • Bei zunehmender Dysphagie ist auch eine zusätzliche Ernährung bzw. Flüssigkeitszufuhr über den PEG-Schenkel der Sonde möglich.

Die sichere und effektive Anwendung der intrajejunalen L-Dopa-Pumpentherapie erfordert die Zusammenarbeit von ÄrztInnen verschiedener medizinischer Fachrichtungen und geschultem Pflegepersonal. Zusätzlich wird eine Unterstützung der PatientInnen und Betreuungspersonen an deren Wohnort oder im Pflegeheim durch ProduktspezialistInnen, die von der Herstellerfirma beauftragt werden, angeboten.

Diese Publikation beschreibt die einzelnen Schritte der multidisziplinären Zusammenarbeit von niedergelassenen NeurologInnen, HausärztInnen, NeurologInnen am Zentrum, GastroenterologInnen, ChirurgInnen und speziell geschultem Pflegepersonal, beginnend bei der Zuweisung von PatientInnen, die von einer intrajejunalen L-Dopa-Pumpentherapie profitieren könnten, bis hin zur Weiterbetreuung nach der stationären Einstellung auf die Therapie.

In jedem Zentrum sollten die Prozessabläufe der intrajejunalen L-Dopa-Pumpentherapie definiert und regelmäßig überprüft werden. Durch ein konsequentes Monitoring der Prozessabläufe können mögliche Lücken geschlossen werden.

Diese Publikation soll bei der Erstellung von zentrumsspezifischen Prozessabläufen Hilfestellung leisten.

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